Der Bund baut zum Beispiel über 60 Kommunikationsstellen ab und die Bitkom bestätigt, dass KI primär dort eingesetzt wird, wo schnelle Effizienzgewinne locken. Paradoxerweise wird exakt an jenen Stellen gespart, an denen die volkswirtschaftlich grössten Schäden entstehen. Gallup beziffert die Kosten schlechter Kommunikation auf 10 Billionen USD jährlich. Es werden jene Funktionen demontiert, die Fehler sichtbar machen, Krisen abfedern und Vertrauen schaffen.
Warum geschieht dies? Weil Entscheidungsträger professionelle Kommunikation eigentlich seit jeher, überwiegend als überflüssigen Kostenfaktor verstehen, ohne deren tatsächlichen Nutzen zu erkennen. Deshalb war es all zu absehbar, dass diese Aufgaben an die KI, respektive an LLMs, ausgelagert werden. Die schiere Masse des KI-Outputs übersteigt nun allerdings die Kapazitäten und Expertise der verbleibenden redaktionellen und qualitätssichernden Stellen. Dadurch wird Kommunikation fehleranfällig und ungenau, Markenidentitäten auswechselbar und das Storytelling zu einem Einheitsbrei. Die menschliche Komponente fehlt.
Doch aus dieser Asche wird eine „Renaissance der Kommunikation“ entstehen. Nicht als Rückkehr alter Strukturen, sondern als Evolution. Wir brauchen keine Textproduzenten mehr, sondern Kommunikations-Architekt:innen, Krisen-Navigator:innen und Daten-Storsteller:innen. Rollen, die nicht Inhalte häufen, sondern Bedeutung stiften.
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, Qualitätsstandards im Umgang mit KI und in der Kommunikation generell zu diskutieren und zu definieren. Denn wir erwarten, dass nach dieser Phase des Abbaus, jene Unternehmen erfolgreich sein werden, die diese Standards für sich definiert und weiterhin in das Kommunikations-Know-how investiert haben. Die Forschung des MIT Sloan hat ergeben, dass strategische Kommunikation einen ROI von über 250% liefert. Wer dies ignoriert, zahlt den Preis später mit Zinsen.
Fazit
In der Zukunft wird Authentizität zur Leitwährung in der Kommunikation. Wenn KI alles vereinheitlicht, ist Differenzierung und Einzigartigkeit die dominante Überlebensstrategie. Wer die kommende Phase übersteht, tut dies nicht durch mehr Content, sondern durch mehr Klarheit. Es ist Zeit, den Advocatus Diaboli zu spielen, und zwar nicht gegen die Technologie, sondern gegen ihre naive kurzsichtige Anwendung. Denn Kommunikation ist kein Kostenfaktor, sondern die Versicherungspolice in einer Welt voller Noise. Lassen Sie uns aufhören, Effizienz zu feiern, wo eigentlich Resilienz nötig ist.
Quellen
- Gallup, Inc. (2026). State of the Global Workplace: 2026 Report
- Kala, N., University of Michigan, Boston College & MIT Sloan (2017). Soft skills training brings substantial returns on investment. MIT Sloan Ideas Made to Matter
- Bitkom Research (2025). Künstliche Intelligenz in Deutschland – Studie 2025
- Halter, G. & Ramirez, M. (2026). Weniger PR aus Bern: Bund muss Stellen streichen. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)
- Edmondson, A. C. (1999). Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams. Administrative Science Quarterly
- PwC Deutschland (2026). Krisenkommunikation und Krisenmanagement